Dr. Ursula Müksch
Die Kunstfreundin
Mein erstes Ex Libris

Wie, wann und warum ich eigentlich diese kleinen Blätter zu sammeln begonnen habe, kann ich eigentlich nicht mehr genau sagen. Die grafische Kunst ist so ein wunderbares, unerschöpflich reiches Feld für den Kunstsammler, irgendwann einmal kommt man mit dem Exlibris in Berührung, aber wahrscheinlich war es im Rahmen der Arbeit an meinem Handbuch aller bildenden Künstlerinnen, dass ich viele weibliche Exlibris-Künstlerinnen entdeckte und so neugierig auch auf ihre Werke wurde, umgekehrt fand ich so manche unbekannte Künstlerin als Urheberin eines Exlibris. Und so sammelten sich immer mehr von diesen hübschen kleinen Grafiken an, bis ich eines Tages eine größere Sammlung erwarb und ich in den Kreis der echten Exlibris-Sammler eintrat. Allerdings wusste ich bis dahin noch nicht, welche Ausmaße diese Leidenschaft annehmen kann. Nach meinem ersten Kongressbesuch wurde mir vieles klarer und ich versuche nun, mich auf mein primäres Sammelgebiet, Exlibris von Frauen, zu beschränken.

Hin- und HergerissenFast zwangsweise gab ich daher meinen ersten Auftrag für ein Exlibris an eine junge Künstlerin. Meine Wahl traf ich bei dem Besuch in der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Es legten damals die Schülerinnen und Schüler der Klasse Sigbert Schenk ihre Arbeiten zur Ansicht auf und mich sprachen die Radierungen von Johanna Finckh sofort an. Zweierlei Eigenheiten fielen mir besonders auf, die Arbeit mit der Kaltnadel und die inhaltliche Darstellung eines Themas in Form eines Zyklus. Die Beziehung zwischen Mann und Frau, in einer einfachen Symbolik mittels stilisierten Tulpenköpfen aufgelöst, ergibt wundervolle zarte Darstellungsmöglichkeiten der Befindlichkeiten der beiden Protagonisten, ihrer ungewollten, unbewussten Gefühle. In meinem Blatt, betitelt mit „Hin- und Hergerissen“, deuten die sich lösenden, flüchtigen Blüten bereits ein nahendes Ende der Beziehung an. Beide sind noch unwissend, fühlen aber trotz der vertrauten körperlichen Nähe schon eine gewisse Distanz und es liegt eine eigentümliche Traurigkeit über der Szene. Eine Thematik, die heute brandaktuell ist, die viele Paare betrifft und der sie sehr oft ohnmächtig gegenüber stehen. Ein weiterer Aspekt ist die asymmetrische Platte, 23,8 cm x 7,2 -8,2 cm im Hochformat, der daraus folgende Druck gefällt mir besonders gut. Die Idee mit der Schrift in der Hosenstulpe kam von Johanna, wobei die Schrift noch ein bisschen Übung braucht, die aber bereits im vollen Gange ist. Die junge Mutter einer süßen Tochter hat bereits sieben Exlibris in ihrem Oeuvre, kam auf den Geschmack und nahm auch schon an einem Exlibris-Wettbewerb teil.

Johanna Finckh entstammt einer Künstlerfamilie, in der besonders die Frauen der bildenden Kunst zugetan waren. Ihre Tanten waren aktiv, ihre Mutter eine sehr gute Grafikerin mit Vorliebe für Aquatinta. Johanna hat heuer den Sommer bei ihrer Mutter in Murci in Italien verbracht, wo auch ihr Hauptwohnsitz ist, um sich in die Geheimnisse der Aquatinta einweihen zu lassen. In Murci und Roccalbegna verbrachte Johanna auch ihre Schulzeit, anschließend besuchte sie von 1996 – 2001 das Kunstgymnasium Liceo Artistico Pietro Aldi in Grosseto. Seit dem Wintersemester 2005/06 ist sie Studierende an der Universität für angewandte Kunst der Abteilung Grafik und Druckgrafik, Klasse Sigbert Schenk. Die ersten Erfolge haben sich schon eingestellt, ein erster Preis beim Stiegl Etiketten Wettbewerb, auch ist sie ehrenamtliche Grafikerin für den Verein Viva Amazonia. Johanna wohnt mit Freund und Kind in 1140 Wien, ihre E-Mailadresse lautet hannale2000@yahoo.at!

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